{"id":23,"date":"2026-08-20T15:02:28","date_gmt":"2026-08-20T13:02:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carolynamann.at\/?p=23"},"modified":"2026-08-26T21:55:57","modified_gmt":"2026-08-26T19:55:57","slug":"totentanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carolynamann.at\/?p=23","title":{"rendered":"Totentanz"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Video-Performance<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Auftrag des Mesner St\u00fcble am Liebfrauenberg<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Text\/Performance: Carolyn Amann \/ Video: Aron Kitzig \/ Konzept: Amann &amp; Kitzig<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Totentanz als kollektive Erfahrung<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn der Tod seine kn\u00f6cherne Hand ausstreckt und zum letzten Tanz bittet, ein Tod, der zu allem und jeder kommt, birgt das in sich nicht nur die Mahnung der Verg\u00e4nglichkeit des organischen Lebens, es er\u00f6ffnet auch ein Verst\u00e4ndnis des Todes als kollektives Moment.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In unserer Reaktualisierung des mittelalterlichen Totentanzes st\u00fctzen wir uns auf das ihm innewohnende Potential, dass in seiner Klarheit und Sensationalit\u00e4t an nichts eingeb\u00fc\u00dft hat. Der Tod, in Wort und Bild, ist niemals ein wertender. Auch wenn er zumal manchen St\u00e4nden sp\u00f6ttisch daherkommt, bezieht sich seine Kritik nur auf dem Selbstverst\u00e4ndnis der St\u00e4nde in der Welt, niemals jedoch auf die Art und Weise, wie diese Rolle vom jeweiligen Menschen ausgef\u00fchrt wurde. Er erscheint unaufhaltsam, als Antipode des Lebens und fordert die Sterbenden auf, sich freizumachen. Frei von der sozialen Stellung, die sie im Leben bekleidet haben, frei von Leidenschaften, Lust und Schmerz. Dennder Tod steht auf der anderen Seite, was bedeutet, dass auch alles Streben, alle Liebe, alle Angst zum Leben und zu den Lebenden geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Tod begleitet den \u00dcbergang. Durch ihn erfahren wir nichts \u00fcber ein m\u00f6gliches Leben danach, kein Gericht, keine Hoffnung. Wie die Kehrseite einer Medaille, die den Blick nur auf sich selbst freigibt. Doch wir erfahren zumindest, dass der Tod f\u00fcr alles Leben unausweichlich ist und alles zumal Gelebte sich in ihm wiederfindet. Ein Gedanke, der etwas Beruhigendes hat. Denn auch wenn umgangssprachlich vom \u201eSterben allein\u201c gesprochen wird, im Tod ist man mit allen, die bereits gestorben sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So ist die Darstellung des Todes, als Gerippe, dem vielleicht das eine oder andere Mal die Haut noch in Fetzen h\u00e4ngt, zugleich auch die Darstellung der Toten selbst. Im Gerippe, dass dem Menschen stets innewohnt und sich nur nach dessen Tod als Ganzes zeigt, ist der Tod der bereits gestorbene Mensch. Diese Perspektive, die der Totentanz er\u00f6ffnet, l\u00e4sst einen Tod denken, in welchem die Lebenden von den bereits gestorbenen Menschen abgeholt und in den Tod begleitet werden. Dieses Eingehen in die Reihen der Gestorbenen, in die Toten, ist somit zugleich ein Einreihen in den Reigen, in eine kollektive Erfahrung. In der Vielheit des Todes und der Toten ist der Mensch nicht einsam, nicht allein. Doch zur\u00fcck zum Tanz. Auch hier zeigt sich im Totentanz eine kollektive, als auch eine egalit\u00e4re Perspektive. Die dargestellten T\u00e4nze, ob nun als Branle, ein Reigen mit regelm\u00e4\u00dfigem Wechsel der Tanzpartner:innen, oder als Pavana, einem geschrittenen Paar-Aufzug, galten im Mittelalter als st\u00e4ndisch geschlossen. Indem der Tod alle hierarchischen Strukturen durchbricht und T\u00e4nzer:innen gleich welchem sozialen Stand an der Hand nimmt, wird der Tanz nicht nur Sinnbild f\u00fcr die Gleichheit aller im Tod, als demokratisches Moment, der Tanz bildet in der Gesamtheit auch einen Reigen, einen Kreistanz, der als vollendeter Lebenszyklus, als auch kollektives Erlebnis gelesen werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1.Prolog<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Ich bin das Schicksal aller<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Ein unumkehrbares Prinzip<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Denn gleich was zitternd bebend<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">\u00dcber diese Erde fleucht<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Sich windet, liebt und kreucht<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Im Anfang keimt und sich entfaltet<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Sich ein Leben gleich ob minder oder gut gestaltet<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Findet in mir ein j\u00e4hes Ende<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Umfassen meine kn\u00f6chernen H\u00e4nde<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Mit festem Griff die noch pulsierenden Arterien<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Unaufhaltsam bin ich da<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Ich bin und bleibe ewig<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Die Toten sind in mir<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Sie reih\u2018n sich ein in einen Reigen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Menschen aller Schichten<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Pflanzen und Getier<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Ausgeschieden aus dem Leben<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Vereinigt uns der Tod<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Entkleidet auf die Knochen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Ist da kein weltlich Kapital<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">kein Unterschied mehr auszumachen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Der einen von der andren trennt<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Keine Armut, keine Not<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">So kommt der Tote die noch Lebenden zu holen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Kommt Mensch auf Mensch<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">und reiht sich ein<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Der Tod formt dadurch eine Masse<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Die unendliche ist in ihrem Werden<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">In ihr ist niemand mehr allein<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Die Knochentrommel schl\u00e4gt den Takt<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">So wie bei jedem Feste<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Ob Fr\u00fchling, Hochzeit, Erntedank<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Im Tanz l\u00e4sst sich im \u00dcberschwang<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Ein aus der eignen Haut erfahren<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Man trifft ein jeden den man kennt<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Selbst wenn die Haut in Fetzen h\u00e4ngt<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Wir sind was bleibt: das Letzte<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Die Zeit zerrinnt dir durch die Finger<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Wenn du mich siehst, bin ich schon da<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Leg ab dein Kleid und deine Zweifel<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"line-height:0.4\">Dein eigner Tod ist dir jetzt nah<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Video-Performance Im Auftrag des Mesner St\u00fcble am Liebfrauenberg Text\/Performance: Carolyn Amann \/ Video: Aron Kitzig \/ Konzept: Amann &amp; 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