{"id":29,"date":"2026-08-20T15:04:25","date_gmt":"2026-08-20T13:04:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carolynamann.at\/?p=29"},"modified":"2026-08-26T21:55:30","modified_gmt":"2026-08-26T19:55:30","slug":"__trashed-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carolynamann.at\/?p=29","title":{"rendered":"Spiel allein"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">in&nbsp;<em>Mosaik. Zeitschrift f\u00fcr Literatur und Kultur.<\/em>&nbsp;Hg.: Kirchner, Josef &amp; Oswald, Sarah. Ausgabe 22. Salzburg: M\u00e4rz 2017. S.19-21 (Auszug)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-ast-global-color-4-background-color has-background wp-block-paragraph\">Robert verfolgt Anton durch den Wald. Er ist ein paar Jahre \u00e4lter als Anton und dementsprechend gr\u00f6\u00dfer im Wuchs. In ein paar Minuten hat er Anton eingeholt und erwischt ihn am Kragen seines Hemds. Das rei\u00dft Anton zu Boden. Er schafft es nicht, sich mit den H\u00e4nden abzust\u00fctzen und landet mit dem Gesicht im Dreck. Robert kniet jetzt auf ihm, hat seinen Hinterkopf umfasst, rei\u00dft ihn an den Haaren hoch und dr\u00fcckt dann Antons Gesicht tiefer in die Erde. Antons Mundraum und Nasenh\u00f6hlen f\u00fcllen sich mit grobk\u00f6rnigem Braun. Seine Finger krallen sich an den Wurzeln fest. Er muss die Erde schlucken, um Luft zu bekommen. Robert steht auf und tritt mit seinen Schuhen in Antons Seite. Wie hei\u00dfes Eisen brennt sich der Schmerz durch Antons Rippen und presst ihm Tr\u00e4nen heraus. Robert tritt weiter nach ihm. Jetzt treffen Robert Tritte ihn in seinen Magen. Noch viermal, bis es Robert selbst zu anstrengend wird. Anton wei\u00df nicht, wie lange Robert schon aufgeh\u00f6rt hat, auf ihn einzutreten. Er h\u00f6rt nur mehr, wie Robert sich den Rotz in der Nase hochzieht und dann Anton damit bespuckt. Anton r\u00fchrt sich nicht. In seinem Kopf klirrt Glas, das immer wieder aufs Neue zerspringt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-ast-global-color-4-background-color has-background wp-block-paragraph\">Die Wolken ziehen schnell. Als Mala die Stra\u00dfe Richtung Dorf erreicht, ist der Himmel bereits wieder bedeckt. Die Luft zieht sich feucht und stickig nach oben zur\u00fcck und scheint an der wei\u00dfen Decke abzuprallen. Auf Malas Armen rinnt Schwei\u00df in B\u00e4chen herunter. Sie wischt sich an ihrem Sommerkleid trocken. Ein Donnern t\u00f6nt durch die menschenleere Landschaft und unz\u00e4hlige Hagelk\u00f6rner brechen aus den Wolken heraus. Mala steht wie angewurzelt da, zuerst von der K\u00fchle entz\u00fcckt, bis der feine Schmerz des herunterprasselnden Eises sie wieder zu sich kommen l\u00e4sst. Es gibt weit und breit kein Obdach.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-ast-global-color-4-background-color has-background wp-block-paragraph\">Das Donnern hallt bis in den Wald hinein. Anton nimmt es zur Kenntnis, doch er r\u00fchrt sich nicht. Hier im Wald, unter den B\u00e4umen besteht keine Notwendigkeit, sich vor dem Hagel zu sch\u00fctzen. Denn die Nadeln legen sich wie ein fein gewebter Teppich \u00fcber den Waldboden und lassen nur vereinzelt K\u00f6rner durch.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-ast-global-color-4-background-color has-background wp-block-paragraph\">Mala geht an der Stra\u00dfe entlang. Sie friert. Der Wind fegt alles Lose aus der Landschaft heraus. Bl\u00e4tter, Bl\u00fcten und Staub. Sie geht weiter, auch wenn der Hagel ihr auf Kopf und R\u00fccken peitscht. Es bleibt ihr nichts anderes \u00fcbrig.&nbsp;Anton kann sich nicht bewegen, zu stark ist der sich ausbreitende Schmerz. Die Rippen sind noch nicht zu sp\u00fcren, der K\u00f6rper h\u00e4lt die Empfindung zur\u00fcck. Anton denkt dar\u00fcber nach, wie das alles gekommen ist. Er denkt an Mala. Das prasselnde Eiswasser \u00fcberdeckt jeden Ton des Waldes. Ihretwegen liegt er jetzt hier. Weil er sich um sie gek\u00fcmmert hatte, sich gesorgt. Er schmeckt Erde und Blut in seinem Mund. Er hat aufgeh\u00f6rt zu weinen. Er denkt an Mala und an ihren zarten Kopf in seiner Hand. Er w\u00fcrde ihn auch gern in den Dreck dr\u00fccken, bis ihre Mundh\u00f6hle mit Erde aufgef\u00fcllt ist. Er w\u00fcrde sie dann an ihrem schwarzen Schopf hochziehen und mit Schwung den Kopf in den Waldboden schlagen.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>in&nbsp;Mosaik. Zeitschrift f\u00fcr Literatur und Kultur.&nbsp;Hg.: Kirchner, Josef &amp; Oswald, Sarah. Ausgabe 22. Salzburg: M\u00e4rz 2017. 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