petit mal

Jazzorchester Vorarlberg feat. Carolyn Amann & Philip Yaeger

Uraufführung 16.06.2023 Hohenems, Collini Fabriksgelände

Trailer: https://vimeo.com/830220420

MATERIAL

Ausgangslage ist das petit mal, eine Form der Epilepsie, in welcher es nicht zu Generalanfällen kommt, sondern nur für wenige Sekunden das Bewusstsein abreißt. Bewegungsabläufe verlangsamen sich, stoppen, von außen oft nicht klar erkennbar.

THEMATIK

Wer sind wir ohne Vergangenheit, ohne Erinnerung? Welches Skelett aus Verhalten und Sprachmustern bleibt über, wenn das Wissen um die eigene Person und die damit verbundenen Erinnerung sich nach und nach auflösen? Wie ist unsere Identität strukturiert?

(Auszug)

Ein Netz scheint das nächste anzustoßen.
Quer durch Unbestimmtes und Bestimmtes hindurch.
Die Reibung der Nadel lässt ihn jeden Millimeter spüren.
Das sich zu einem langgezogenen Kratzen ausdehnt.
Stille.
Elektrische Stille.
Das Letzte von außen.
Denn nun bricht der Innere Lärm mit wildem Getöse auf ihn herein.

Die Nervengeflechte aktivieren sich alle zugleich und schießen
die Spannungen wie Blitze durch die gefalteten Schichten hindurch.
Ein Sturm, nein, ein Orkan der die grauen als auch weißen
Landschaften gleichermaßen durchzieht.
Die Faserbündeln scheinen zu glühen.
Entladungen schlagen durchs Gewebe, spalten es auf.
Es ist dunkel.
Es ist laut.
Zwischendurch das Aufleuchten der Spannungen.
Die ausgeschüttete Chemie stinkt.
Die verkohlten Nerven rauchen.
Irgendwann ist es vorbei.
Irgendwann wird es vorbei sein.
So Mittendrin ist er sich selbst nicht mehr bewusst.
So mitten drinn reißt ihm das Bewusstsein.

Carolyn Amann – Text & Performance 
Philip Yaeger – Komposition 
Marie Steiner – Regie

Jazzorchester Vorarlberg:
Andreas Broger, Anna Tsombanis, Fabio Devigili, Werner Gorbach – reeds / Bartholomäus Natter, Martin Eberle, Anton Meusburger – trumpet / Jason Pfiester – horn / Philip Yaeger, Jan Ströhle – trombone / Thomas Halfer – tuba / Emily Stewart – violin / Nicoleta Draghici – viola / Myriam García Fidalgo – cello / Benny Omerzell – keyboard / Tobias Vedovelli – bass / Christian Eberle – drums

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