Trabanten

Zu Gustav Mahler „Lied von der Erde“

1.

Das Kristall abgeschmackter Luster
Zerbricht den Staub
Und wirft im Schein
Der leeren Stunde
Erzählungen mir wieder

Ein Lidschlag trennt
Seiende
Trennt Schlag auf Schlag
Die Länder

Am Boden nach dem Splitterregen
Abgestorbene Augenblicke
Trotz dessen blitzt
Ein jeder einzeln
Gegenständlich und entrückt

Verstoßenes
Das stets in vivo
Bedeckt wie Ruß
Das Interieur
Denn am Ende der Kalender
Bleibt im Lichterlärm der Kammern
Kein wahres Wort
Kein Souvenir
Kein Kernstück für dich über
Die Zeit lässt niemanden zurück

POSTSKRIPTUM
Fassen lässt sich unser Intellekt
Durch bloße Vibration
Die selbst den Wellen gleicht
Die unser Denken formen
Auch wenn sie nie den Raum betritt
In dem wir schweigend warten

Die eigene Stimme zittert
Im technisch modulierten Ton
Regungslos starrt unser Blick auf Flächen
Entstehen Reaktionen nur aus Licht
Das bricht an Punkten
Die in ihrer Summe
Mosaike simulieren
Und scheinen uns ein Leben

In Ahnung einer zarten Geste
Macht sich der Geist bereit
In Intimitäten zu zergeh‘n

Die Grenze technisch generierter Räume
Zum Gegenwärtigen ist fließend
Es ist dieselbe Physikalität
Die uns vermittelt
Was fern ist
Und was vor uns steht

Beben lässt uns das Ereignis
Sensation elektrischer Impulse
Ob in Präsenz
Oder auf übertragenem Wege
Erschreckend ist, sie wirken beide gleich
So bleibt die Haut am End’ organisches Gewebe
Mit Sensoren schlicht durchzogen
Ist’s die Empfindung, die abweicht

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