Theater- und Musikspektakel zu „500 Jahre Bauernkrieg“
Regie und künstlerische Leitung: Martin Butler
Text: Carolyn Amann
Musik: Benny Spähn
Design: Marcus Bendel
Produktionsleitung: Daniel Knapp
Produktion und Tourneeleitung: Kapuziner Kreativzentrum Ravensburg
im Auftrag des Landesmuseum Württemberg, Premiere 30.04.2025 Stuttgart, Altes Schloss
Prolog
NARR:
Verehrte Kinder,
Damen, Herren
Wir feiern dieses Jahr
Ein recht seltsam tristes Fest
Ein Jubilat‘ zerschlagenen Protests
Doch keine Angst
Ich will euch nicht belehren
Vielmehr als Gastwirt werd‘ ich euch beehren
Ich bin, ihr seht‘s
Bescheidenen Gemüts
Von der lustig schauerlichen Sorte
Mein Ruf sagt mehr als tausend Worte
Entsprungen einer Geistersage
Gezämt im Bauch der Fasnacht
Wag‘ ich es selbst dem Kaiser
Auf übelste den Spiegel vorzuhalten
Scheu mich nicht vor machtgesättigten Gestalten
Was andren gilt, das gilt mir nicht
Ich spuck‘ ein jedem ins Gesicht
Man sagt ich bin ein Freund der Teufel
Doch Gottesglauben ist mir völlig fremd
Ich frevle, bis ich untergehe
Spiel heiter um mein letztes Hemd
So trag ich selbstlos jene schwere Bürde
Die nur ein Narr ertragen würde
Ich seh’s euch an, ihr wisst es nicht
In mir allein vereinigt sich
Was man das menschlich‘ Laster nennt
Und unter höchsten Sünden kennt
Das ist nicht Segen oder Fluch
Vielleicht nur etwas komplizierter
Wie schließlich ja der Mensch an sich
So gebe ich im Spiegel wider
Was euch als Menschen nicht beliebt
Schreibt ihr es auch in Regelwerken
In Religionen als Gesetze nieder
Und hofft, dass eine höh‘re Stelle
Euch den Übertritt vergibt
Kenn‘ ich doch keinen der aufgrund von Büchern
Dann doch ein besseres Leben führt
Wer nicht von Haus aus der Moral ergeben ist
Bleibt von den Schriften unberührt
Doch habt ihr Glück
Mir ist es gleich
Und die Moral gar einerlei
Wie mich der Wind der alten Bräuche
Fasnachts in die Städte trieb
Um ihrem Treiben beizuwohnen
Komm ich von Zeit zu Zeit vorbei
So bin ich damals wie auch heute hier
Grad wenn die Wogen höher geh’n
Selbstsucht und Missgunst sich ausäh‘n
Das Gute mit dem Bösen ringt
Dabei die Totenglocke klingt
Schleich ich mich ein, gar wie ein Dieb
Ich hab die Menschen furchtbar lieb
D’rum Herren, Damen, Kinder
Und alle die dazwischen steh‘n
Ich lad‘ euch ein
Nen‘ Blick auf dieses Treiben zu riskieren
Das anfangs aus der Zeit gefallen scheint
Ist es doch etwas länger her
Jedoch beim näheren studieren
Lässt sich der Anfang unsrer Wirtschaftsform hier finden
Zugleich zeigt sich
Wie ewig arme Menschen sich doch winden
Um sich aus dem Korsett der Macht zuschäl‘n
Die Aktualität wird uns noch quälen
Und genau deswegen
finden wir uns heut zusammen
Zum ehrlichen Gedenken
Ich werde eure Blicke lenken
Auf die Kluft von Haben und dem blanken Sein
Im Netz der Dependenz
Machts doch im Krieg nen Unterschied
Wie man ihn führt
Zu Fuß oder auf Pferden
Es wird erheiternd traurig werden
Doch nicht im guten Sinne
Dabei versprichts ne Menge Spaß
Ich hoffe ihr habt guten Fraß
Vor euch und wünsch euch herzhaftes Kredenzen
So lange sollt ihr mir
Die Aufmerksamkeit schenken
Nun tretet ein, es werde Licht
In diese Schenke
Bis man bricht
